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Eifersucht bei Hunden: Vermenschlichung oder Fakt?

Wir lieben unsere Hunde – und neigen sogar dazu, unseren Vierbeinern zutiefst menschliche Gefühle zuzuschreiben. Eine wissenschaftliche Studie legt nahe, dass Hundehalter zumindestens beim Thema Eifersucht bei Hunden nicht daneben liegen!

Das Fazit vorab: Eifersucht bei Hunden wird von Wissenschaftlern beobachtet. Dabei legen Hunde spezifische Verhaltensweisen an den Tag. Sie versuchen ihre Rivalen durch Aggression zu verdrängen, fordern die Aufmerksamkeit des Hundehalters und zeigen übermäßiges Interesse an ihm.

Findet man Eifersucht nur beim Menschen?

In der frei zugänglichen Studie Jealousy in Dogs (Juli 2014, Englisch) vertreten die Wissenschaftlerinnen Christine Harris und Caroline Prouvost die These, dass Eifersucht in der Regel mit menschlichem Verhalten assoziiert wird.

Grund für die Assoziation sei, dass Eifersucht ein hohes emotionales Abstraktionsvermögen erfordere, die in dieser Form nur von Menschen zu leisten sei.

Die damit einhergehende Schlussfolgerung, dass Eifersucht deshalb nur beim Menschen anzufinden ist, ist jedoch nur so lange zutreffend, wie Eifersucht vor dem Hintergrund von Partnerschaften und (sexuellen) Beziehungen definiert wird – da die Intensität dieser Beziehungen in der Tat so nur beim Menschen anzutreffen sind.

Mit anderen Worten: Eifersucht bei Hunden und Menschen ist nicht dasselbe und muss deswegen verschieden definiert werden!

Eifersucht – Definitionen für Mensch & Hund

Die Wissenschaftler schlagen vor, dass Eifersucht bei Hunden und Menschen verschieden ausgeprägt ist, aber diese Gemeinsamkeiten hat:

Strukturell - Rivalität als Grundvoraussetzung. Wie auch der Mensch werden Hunde eifersüchtig, wenn sie sich in ihrem Zugang zu einer für sie wichtigen Bezugsperson durch einen Rivalen bedroht fühlen.

Verhalten - Aggression und Aufmerksamkeit. Eifersüchtige Hunde suchen verstärkt die Aufmerksamkeit der Bezugsperson und zeigen ein übersteigertes Interesse an ihr. Außerdem zeigen sie Aggressionen gegen den Rivalen – ganz so wie eifersüchtige Zweibeiner.

Insgesamt, so die Wissenschaftler, sei bei Hunden das Ich-Bewusstsein jedoch schwächer ausgeprägt als beim Menschen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Eifersucht bei Hunden insgesamt ursprünglicher und weniger komplex ausgeprägt ist.

Info: Wissenschaftler sind sich nach wie vor uneinig, wie und wann Eifersucht entstanden ist. Weitgehende Einigkeit herrscht aber über die Mechanismen der Eifersucht. Gemäß der Definition müssen mindesten drei Personen involviert sein, und eine der Personen fühlt sich in seiner Beziehung zu seiner Bezugsperson von der zweiten Person bedroht.

Eifersucht bei Hunden – Das Experiment

Insgesamt untersuchten die Wissenschaftler das Verhalten von 36 Hunden. Diese waren im Schnitt 2,7 Jahre alt und es wurden zu gleichen Teilen Rüden und Weibchen ausgewählt.

Die Wissenschaftler führten das Experiment mit kleineren Hunde durch, um das Verhalten der eifersüchtigen Hunde besser kontrollieren zu können. Die meisten Vierbeiner waren Mischlinge und seit 2,1 Jahren im Besitz der Hundehalter.

Der Versuchsaufbau

Die Hundehalter wurden dazu aufgefordert, mit einer Hundeattrappe zu spielen, einem Kürbiskopf intensive Aufmerksamkeit zu schenken und ein Kinderbuch laut zu rezitieren. Währenddessen sollten sie ihren Hund – der sich im gleichen Raum befand – komplett zu ignorieren. Ein Durchlauf dauerte acht Sekunden.

Jetzt analysierten die Wissenschaftler das Verhalten des Hundes und überprüften es auf drei Verhaltensweisen, die gemeinhin mit Eifersucht in Verbindung gebracht werden:

  • Aggression gegen den Rivalen (z. B. Beißen, Zuschnappen und Drohen)
  • Suchen von Aufmerksamkeit (z. B. Bellen und Anstupsen)
  • Interesse am Hundehalter (z. B. in die Augen schauen)

Zeigten die Versuchshunde mindestens eine dieser Verhaltensweisen, werteten die Wissenschaftler dies als Ausdruck von Eifersucht. Der Versuch wurde mehrere Male pro Hund durchgeführt, immer wieder unterbrochen von Spielpausen.

Um eventuelle Kämpfe zu vermeiden, wurde bei dem Experiment eine Hundeattrappe als potenzieller Rivale eingesetzt.

Außerdem wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob Hunde auch auf andere Objekte eifersüchtig werden können und überprüften dies an einem Kürbiskopf und einem Kinderbuch.

Die Ergebnisse

Eifersüchtiges Verhalten scheint bei Hunden recht ausgeprägt zu sein: Typische Verhaltensweisen, wie zum Beispiel das Anstupsen des Tierhalters oder das Wegschieben des “Rivalen” erfolgten bei dem Experiment in 70 bis 80% der Fälle.

Ebenfalls zeigte es sich, dass unsere Vierbeiner besonders dann eifersüchtig werden, wenn sie denken, dass sie es mit einem Rivalen zu tun haben: 25% der Hunde schnappten sogar nach der Hundeattrappe, während dieses Verhalten in der Konfrontationen mit dem Kinderbuch und Kürbiskopf in unter 10% der Fälle registriert wurde.

Die drei häufigsten Verhaltensweisen waren Anstupsen, Wegdrücken und das Aufstellen des Schwanzes – und zwar unabhängig davon, ob die Hunde mit der Attrappe, dem Kürbiskopf oder Kinderbuch konfrontiert wurden. Kaum beobachtet wurde Bellen und Jaulen.

Mögliche Erklärungen

Glaubt man den Wissenschaftlern, könnten diese Faktoren die Entwicklung von Eifersucht bei Hunden begünstigt haben:

Eifersucht ist überlebenswichtig - Eifersucht könnte sich entwickelt haben, weil es für Jungtiere vorteilhaft ist, wenn sich das Muttertier verstärkt um sie kümmert. Eifersucht und damit einhergehende Verhaltensweisen dienen dazu, die Aufmerksamkeit des Muttertieres zu wecken, sodass das eifersüchtige Jungtier besseren Schutz erfährt und mehr Futter bekommt.

Eifersucht sichert die Fortpflanzung - Die Wissenschaftler spekulieren, dass eifersüchtige Verhaltensweisen vorteilhaft sind, wenn Rivalen von einem Sexualpartner ferngehalten werden sollen. Bei dieser Theorie ist Eifersucht bei Hunden eine Fortpflanzungsstrategie.

Eifersucht bei sozialer Kooperation - Hunde und andere Säugetiere können nur überleben, wenn sie mit ihren Artgenossen kooperieren (z. B. bei der Jagd). Bei dieser Theorie entsteht Eifersucht, wenn eine soziale Bande vor Eindringlingen/Rivalen geschützt werden muss.

Schließlich ist es auch möglich, dass Eifersucht bei Hunden nur im Zusammenspiel zwischen Mensch und Vierbeiner entstehen konnte.

Die Forscher spekulieren, dass die enge Bindung zum Menschen ausschlaggebend dafür ist, dass der Hund unsere Gefühle lesen kann – und damit auch die Fähigkeit entwickelt hat, eifersüchtig zu werden.

Fazit: Hunde können eifersüchtig werden

Hunde können eifersüchtig werden – was wir Hundehalter schon länger ahnen, bestätigt nun auch die Wissenschaft.

Dabei legen sie Verhaltensweisen an den Tag, die auch bei eifersüchtigen Menschen beobachtet werden: Eifersüchtige Hunde versuchen ihre Rivalen durch Aggression zu verdrängen, fordern deine Aufmerksamkeit und zeigen übermäßiges Interesse an dir.

Jetzt bist du dran: Hast du schon einmal beobachtet, dass dein Hund eifersüchtig ist? Schreibe deine Erfahrungen unter dem Artikel ins Kommentarfeld!

Hast du schon Erfahrungen mit Apportierspielen für Hunde gemacht? Schreib uns deine Meinung und Erfahrungen in die Kommentare!

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