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Wie lernen Hunde? Die 4 grundlegenden Prinzipien der Hundeerziehung

"Dabei habe ich meinem Hund doch schon 1000 Mal gesagt, dass er das nicht darf" Dir kommt dieser Satz bekannt vor oder hast ihn so oder so ähnlich schon einmal selbst gesagt hast? Dann hast du dir vielleicht noch nie die Frage gestellt, wie dein Hund eigentlich lernt. inpetso zeigt dir die 4 grundlegenden Prinzipien der Hundeerziehung.

Das goldene Zeitfenster der Hundeerziehung: Die 4 Lernphasen

Um ein großes Missverständnis vorwegzunehmen: Hunde lernen ein Leben lang und nicht nur während der ersten Welpenmonate. Daher ist es einem älteren Hund durchaus noch zuzumuten, neue Verhaltensweisen zu erlernen und umzusetzen.

Richtig ist aber auch, dass deinem Hund das Lernen schwerer fällt, je älter er wird. Die größten Lernerfolge in der Hundeerziehung wirst du daher in der sogenannten Prägephase erzielen, die etwa bis zur 20. Lebenswoche andauert.

In dieser Zeit bilden sich beim Hund die Nervenverknüpfungen im Gehirn aus und er ist daher besonders empfänglich für äußere Reize – du solltest diese goldene Lernzeit der Hundeerziehung ausnutzen und deinem Kleinen von Anfang an darauf hinweisen, welche Verhaltensweisen du wünscht und welche nicht!

Unabhängig vom Alter deines Hundes durchläuft dein Vierbeiner immer 4 Phasen, bevor er ein Verhalten sicher erlernt hat:[/vc_column_text][vc_tta_accordion shape=“square“ active_section=“1″][vc_tta_section title=“Phase 1: Der erste Kontakt“ tab_id=“1449398811312-775e363d-1d0d“]In der ersten Phase wird dein Hund mit einer neuen Aufgabe konfrontiert, die du deinem Kleinen in einer reizarmen Umgebung vorstellen solltest (z. B. Zuhause). Dein Hund muss sich ohne Ablenkung auf den neuen Reiz einstellen können! Im ersten Schritt geht es ausschließlich darum, dass dein Hund dein Handzeichen und/oder Kommando mit einem bestimmten Verhalten verbindet. Beende Phase 1 erst, wenn dein Hund die Aufgabe präzise umsetzt.[/vc_tta_section][vc_tta_section title=“Phase 2: Festigung des Lernerfolgs“ tab_id=“1449398813895-b541c192-4a99″]In der zweiten Phase geht es darum, dass der Lernerfolg deines Hundes gefestigt wird. Du willst, dass dein Vierbeiner das Verhalten auch in seinem Alltag umsetzen kann – deswegen solltest du ab jetzt in einer Umgebung mit mehr Reizen, also zum Beispiel auf dem Hundespielplatz trainieren. Belohne Lernerfolge nur noch unregelmäßig mit Leckerchen![/vc_tta_section][vc_tta_section title=“Phase 3: Den Lernerfolg generalisieren“ tab_id=“1449398815261-4365c657-15ec“]Oft zeigen Hunde ein scheinbar sicher erlerntes Verhalten in einer für sie umgewohnten Umgebung nur noch unregelmäßig oder gar nicht. In Phase 3 willst du daher sicher gehen, dass dein Hund seinen Lernerfolg generalisiert, also unabhängig von Situation und Umgebung zuverlässig zeigt. Übe das Verhalten zum Beispiel in der S-Bahn oder an anderen öffentlichen Plätzen.[/vc_tta_section][vc_tta_section title=“Phase 4: Das Verhalten aufrecht erhalten“ tab_id=“1449398816995-ac8c7724-38f0″]Hunde, die ein Verhalten zwar erlernt haben, aber nicht regelmäßig anwenden müssen, neigen dazu, ihren Lernerfolg wieder zu „vergessen“. Deswegen solltest du das gewünschte Verhalten immer wieder in euren Alltag integrieren.[/vc_tta_section][/vc_tta_accordion][vc_column_text]Vor allem für die Schritte 1 bis 3 gilt: Das Lerntempo von Hunden ist individuell, denn auch im Tierreich gibt es Intelligenzunterschiede! Passe das Übungstempo an die Lernfortschritte deines Kleinen an – Überforderung bewirkt in der Regel das Gegenteil.[/vc_column_text]

Tipp: Es ist ganz egal, welche Kommandos du für Sitz, Platz und Co. verwendest, denn dein Kleiner versteht die inhaltliche Bedeutung der Wörter sowieso nicht.

Er lernt aber, deine Wünsche zu lesen, indem er bestimmte Töne mit deiner Stimmung oder Absicht verbindet!

Positive Hundeerziehung: Födere erwünschtes Verhalten

Das Verhalten deines Hundes orientiert sich an der Reaktion seines Umfelds. Belohnst du ein Verhalten durch ein Leckerchen, Spiel oder einfach nur Zuneigung, wird dein Kleiner mit der Zeit lernen, dass sein Verhalten zu einer für ihn wünschenswerten Erfahrung führen wird.

Dieses Prinzip wird "Lernen durch positive Verstärkung" genannt und ist zentral für deine Beziehung zu deinem Vierbeiner. Hast du das Prinzip positiver Hundeerziehung verinnerlicht, versteht du auch, was in unserem Szenario zu Beginn des Artikels schief läuft:

Dabei habe ich meinem Hund doch schon 1000 Mal gesagt, dass er das nicht darf!

Wir hatten es schon erwähnt: Dein Hund versteht die inhaltliche Bedeutung deiner Wort nicht. Deswegen nützt es auch nichts, ihm zu sagen, dass er etwas nicht darf – deine Reaktion ist entscheidend!

Ein Szenario: Du sitzt am Mittagstisch und dein Retriever bellt auffordernd. Du hast jetzt zwei Möglichkeiten:

Du schenkst ihm Aufmerksamkeit, indem du dich zu ihm runterbeugst und ihm "erklärst", dass er mit dem Bellen aufhören soll.
Du ignorierst sein Verhalten und schenkst ihm keine Beachtung.

Entscheidest du dich für Option 1, gehörst du zu den 99 Prozent der anderen Hundehalter. Du "erklärst" deinem Kleinen zwar, dass du keinen bellenden Hund am Tisch duldest, belohnst ihn aber durch deine Reaktion, indem du dich zu ihm runterbeugst und ihn durch deine Nähe belohnst.

Kein Wunder, dass dein Vierbeiner die Botschaft nicht versteht.

Anders bei Option 2: Indem du sein Verhalten komplett ignorierst und höchstens mit einem bestimmten "Nein!" quittierst, versteht dein Hund, dass dieses Verhalten nicht belohnt wird und hört damit schon nach kurzer Zeit auf.

Achtung: Das Prinzip der positiven Verstärkung bedeutet, dass dein Hund lernt, indem du gewünschtes Verhalten belohnst. Es bedeutet aber auf keinen Fall, dass du unerwünschtes Verhalten durch körperliche Züchtigung bestrafst! Dinge, die du natürlich nie tun solltest: Im Nacken packen und schütteln, die Schnauze auf den Boden drücken, Schläge oder andere Gewaltmaßnahmen.

Belohnen, Loben, Tadeln

Unabhängig davon, ob du ein Verhalten lobst, belohnst oder tadelst, lernen Hunde ständig von ihrer Umwelt – etwa, wenn dein Kleiner das Geräusch der Hundeleine automatisch mit einem Spaziergang verbindet.

Durch Lob, Tadel und Belohnung kannst du den Lernprozess aber verstärken und in die Bahnen lenken, die du dir wünscht!

Ganz wichtig: Ausgiebig loben!

Deutlich wichtiger als Leckerchen & Co. ist das Lob des Hundehalters. Dein Kleiner erkennt dich als Rudelführer an und will deswegen wissen, ob sein Verhalten richtig ist.

Behalte auch beim Loben im Hinterkopf: Nicht der Inhalt, sondern deine Körpersprache entscheidet.

Sei ausgelassen, lobe überschwänglich und zeige Begeisterung. Regelmäßiges Loben ist auch ein wichtiges Element der Hundeerziehung, um eine langfristig vertrauensvolle Beziehung zwischen Mensch und Vierbeiner zu schaffen.

Kulinarische Leckerbissen

Belohnung in Form von schmackhaften Leckerchen bieten sich an, wenn dein Hund ein neues Kommando lernen soll und sich noch in der Anfangsphase seines Trainings befindet. Nach und nach sollten Leckerchen aber durch einfaches Lob ersetzt werden – schließlich willst du keinen Hund, der nur auf Leckerchen aus ist.

Tipp: Trainierst du mit Leckerchen, sollten die kleinen Happen auch wirklich lecker sein – je schmackhafter, umso mehr wird sich dein Vierbeiner auch ins Zeug legen. Für Trainingssessions bieten sich weiche Leckerchen wie zum Beispiel gekochtes Geflügelfleisch oder Käse an. Beachte aber, dass du diese Snacks eher sparsam verwenden solltest – schließlich gehören sie zu den größten Dickmachern!

Tadeln? Nur in Maßen!

Wir von inpetso empfehlen dir, dass dein Hund durch das Prinzip der positiven Verstärkung lernt. In manchen Fällen – etwa, wenn dein Kleiner über ein besonders ausgeprägtes Selbstbewusstsein verfügt – kann man unerwünschtes Verhalten aber durchaus tadeln.

Wie auch beim Lob ist es wichtig, dass der Inhalt deiner Worte über deine Körpersprache transportiert wird. Dein Vierbeiner sollte dein strenges "Nein" auch in deinem Gesicht ablesen können.

Ebenfalls in Ordnung, aber nur im äußersten Fall einzusetzen, sind Einschüchterungen, wie sie auch unter Hunden zu beobachten sind, so zum Beispiel leichtes (!) Anrempeln und forsches "auf den Hund zugehen".

Hilft das alles nicht, hat sich die Wasserpistole als effektives Werkzeug erwiesen. Meist genügt ein kurzer Spritzer zum richtigen Zeitpunkt, um unerwünschtes Verhalten zu unterbinden.

Tipp: Dein Hund lernt am effektivsten, wenn du Lob, Tadel und Belohnung richtig timest. Dein Feedback sollte unmittelbar nach dem Verhalten deines Kleinen erfolgen, sodass er deine Reaktion zuordnen kann.

Kein Hund lernt gleich

Wir haben dir in diesem Artikel gezeigt, wie Hunde lernen. Du solltest dir jedoch immer darüber im Klaren sein, dass dein Kleiner ein vierbeiniges Individuum mit einem ganz eigenen Charakter ist.

In der Praxis heißt das, dass er zwar dieselben Lernprozesse wie seine Artgenossen durchläuft, aber individuell auf die Prinzipien der Hundeerziehung anspricht.

Sensible Hunde lassen schon beim scharf ausgesprochenen "Nein"“ reuig die Ohren hängen, sodass eine behutsame Herangehensweise ratsam ist. Selbstbewusstere Hunde hingegen benötigen manchmal eine härtere Ansprache, bevor sie überhaupt auf unseren Anreiz reagieren – hier darfst du deinen Liebling durchaus auch mal leicht anrempeln.

Wird dein Hund schnell aufgeregt, solltest du mit überschwänglichem Lob eher sparsam umgehen. Schüchterne und zurückhaltende Hunde können jedoch gar nicht genug Lob bekommen!

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